Erfahrungsberichte

IconGhufran (15) und Armani (18) aus Syrien

Die Leute in Burkhardtsdorf sind schön. Hier ist alles sehr schön grün, die Bäume, die Blumen. Die Schule in Stollberg ist sehr gut. Wir machen viel Spaß mit den Lehrerinnen und Lehrern und den anderen Schülern. Papa soll Deutsch lernen, eine Ausbildung machen, damit er eine Arbeit findet. Er war Straßenbauer in Syrien. Ich möchte später Ärztin werden, meine Schwester Armani Apothekerin.

IconTheresa

Als wir die Flüchtlinge im Herbst zu einem Willkommensnachmittag in die Landeskirchliche Gemeinschaft einluden, war ich ziemlich aufgeregt. Ich hatte von Freunden gehört, dass manche Muslime Probleme damit haben, Frauen die Hand zu geben und war bereits in dieser kleinen Angelegenheit unsicher, wie und ob ein freundliches Willkommenheißen möglich werden würde. Als dann die ersten (männlichen) Flüchtlinge mit durchweg freundlichen, ja beinahe strahlenden Gesichtern zur Tür hereinkamen und mir ein Mann sogar mit 2 Händen meine entgegengestreckte Hand schüttelte, waren alle Bedenken wie weggeblasen.

IconArman (8) und Armin (9) aus Afghanistan

Alles ist gut. Die Schule ist gut und Fußball spielen auch. Wir wollen besser Deutsch lernen.

IconElisabeth

Als ich die afghanische Familie im Oktober in Burkhardtsdorf begrüßte, war die Verständigung nahezu unmöglich. Mit Händen, Füßen, Bildchen und Google - Übersetzung haben wir uns langsam und schleppend verständigt. Nur 3 Monate später sind die Teenager der Familie in der Lage als Übersetzer für Neuangekommene zu fungieren. Das ist Spitze.

IconMohammad

Ich mag mein Dorf und die Leute von Burkhardtsdorf mehr und mehr von Tag zu Tag.

IconMaria & Christoph

Im September 2015 fassten wir den Entschluss, die leer stehende Wohnung in unserem Haus der Gemeindeverwaltung Burkhardtsdorf zur Unterbringung von Asylsuchenden zur Verfügung zu stellen. Als feststand, dass unser Angebot angenommen wird, kam als nächstes der Kontakt zur Wirtschaftsförderung Erzgebirge GmbH (WFE) zu Stande, die sich um die Ausstattung dieser Wohnung kümmert.
Unsere Aufgabe war nun zu renovieren, d.h. tapezieren, malern, Laminat legen, Küche herrichten, um angemessene Voraussetzungen für eine Nutzung zu schaffen. Anfang Januar 2016 war die Wohnung fertig renoviert und von der WFE eingerichtet. Nach der Mitteilung Mitte Januar, dass zu uns eine Familie aus Syrien mit drei kleinen Kindern (4 Jahre, 3 Jahre , 7 Monate) kommen wird, war es am 22.01.2016 soweit: gemeinsam mit Frau Hock von der Gemeindeverwaltung, Frau Viertel vom Verein HELP e. V. und einem Übersetzer traf die Familie in Meinersdorf ein.

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IconAzita (16), Susan (14) und Ahmad (17) aus Afghanistan

Unsere Betreuer aus Burkhardtsdorf sind sehr nett. Die Schule in Burkhardtsdorf ist schön. Alle Nachbarn und die anderen Menschen hier sind sehr freundlich. Wir freuen uns sehr über das Internet im Begegnungszentrum. Wir wollen besser Deutsch lernen und wünschen uns das Bleiberecht in Deutschland. Ich möchte Polizistin werden. Wenn ich das richtig will, dann schaffe ich das auch. Mein Bruder Ahmad möchte Physiotherapeut werden. Meine kleine Schwester Susan weiß noch nicht, was sie später machen will.

IconSusanne

Als ich im Spätsommer 2015 das erste Mal in das Haus einer Gruppe syrischer Männer hier im Dorf eingeladen war, war ich recht nervös. Mein Ziel war es, den Flüchtlingen Deutsch zu lehren und ich wusste nicht, wie sie auf eine deutsche, recht junge Frau mit sehr kurzen Haaren reagieren würden, die ihnen auch noch etwas beibringen wollte. Alle Bedenken lösten sich sogleich in Luft auf. Die Männer sind alle sehr freundlich, aufgeschlossen und charmant zu mir. Und sie sind die fleißigsten Deutschschüler, die ich bis jetzt hatte! Mit der Zeit hat sich aus dem Deutschnachhilfeunterricht viel mehr entwickelt. Wir sind Freunde geworden, die zusammen herzlich lachen und einander helfen.

IconHolger

Die syrischen Flüchtlinge in Burkhardtsdorf haben die Möglichkeit, in Thalheim einen Sprachkurs zu besuchen – komplett kostenfrei. Dass nicht alle Männer diese Chance nutzen, finde ich schade!

IconAnne

Wir hatten uns als Familie dazu entschieden, mit zwei Flüchtlingen gemeinsam Weihnachten zu feiern. Einer der beiden konnte nur arabisch sprechen und war daher an dem Abend sehr ruhig und zurückhaltend, da ja alle Gespräche nur über seinen Freund, der englisch übersetzte, stattfinden konnten. 2 Wochen später fragten die beiden syrischen Männer, ob sie uns wieder einmal besuchen kommen könnten. Spontan schmissen wir unsere ganzen Samstagsüberlegungen über Bord und deckten den Kaffeetisch. Wir wurden von dem Syrer, der am Heiligen Abend noch so zurückhaltend war, sehr offenherzig begrüßt. Er überraschte unsere vier Kinder mit jeweils einer Tüte Süßigkeiten und gab sich viel Mühe, seine neu gelernten deutschen Sätze in das Gespräch einzubringen. Nach dem Essen kam unsere sechsjährige Tochter auf die Idee, mit den Männern Memory zu spielen, um ihnen dabei neue deutsche Begriffe beizubrigen. Gerade unsere Kinder fanden das Vor- und Nachsprechenlassen der deutschen Vokabeln wie z.B. Eichhörnchen sehr lustig und waren auch sehr streng bei der Aussprache. Gleichfalls sollten wir dann auch ein paar arabische Wörter sprechen, was unsere ausländischen Freunde gleichermaßen sehr lustig fanden. So hatten wir einen spontanen, überraschend schönen Nachmittag mit neuen Freunden und viel Spaß beim Lernen der deutschen und arabischen Vokabeln. Mittlerweile wurden auch wir von ihnen eingeladen.

IconChristoph

Ich fand am 24.12. einen kleinen, aus Papier gebastelten Weihnachtsmann in meinem Briefkasten. Darauf stand: „Aus Syrien mit lieben Grüßen“. Später las ich in der Zeitung, dass syrische Flüchtlinge aus Burkhardtsdorf diese Weihnachtsmänner als kleines Dankeschön gebastelt haben – 200 bis 300 Stück. Einen Tag vor Weihnachten warfen sie diese in Briefkästen von Nachbarn oder Freunden im Ort. Ein tolles Zeichen!

IconTobias

Denke ich an Flüchtlinge in Burkhardtsdorf, dann denke ich an

Gastfreundschaft – Beim Umgang mit den Flüchtlingen begegne ich stets und ständig großer Gastfreundschaft. Aus einem nur ganz kurz geplanten Klingeln wurde schon mehrfach ein gemeinsames Teetrinken und daraus auch schon mal ein Abendessen. Regelmäßig gibt es Einladungen, doch wieder einmal zu Besuch zu kommen. Vor ein paar Tagen erst wurde ich quer über die Straße vom Fenster aus zum Haus gerufen, hereingebeten und mit vor meinen Augen für mich frisch gebackenem Brot und zubereiteter Suppe bewirtet. 

Betroffenheit – Inzwischen habe ich viele schwere Schicksale erzählt bekommen. Ich habe von einem Attentat und von Schussverletzungen gehört, habe die Narben durch die Explosion einer Rakete und in einem anderen Fall durch eine Messerattacke gesehen, ich habe von Tod und Zerstörung gehört und von großen Risiken während der Reise. Diese Menschen haben Traumatisches erlebt und...

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IconYaman

Aus dem Englischen übersetzt:

Ich stamme aus Dar‘a, der Geburtsstadt der Revolution im Frühling 2011 in Syrien. Allein dieser Faktor veranlasste eine Polizeistreife, mich 4 Jahre später in Damaskus von der Straße weg in ein Gefängnis zu stecken. Ohne Verfahren, ohne Beweise. Mein Vater konnte mich für 3000€ freikaufen. Danach riet mir meine Familie schweren Herzens, Syrien zu verlassen. Denn nicht selten kommt es vor, dass Familien von der Gefängnisleitung folgende Mitteilung erhalten: „Es tut uns leid, aber ihr Sohn ist bedauerlicherweise während seiner Inhaftierung gestorben. Sie können seinen Leichnamen nächsten Dienstag abholen.“ Also floh ich im März 2015. Nun wohne ich in Burkhardtsdorf und bin froh, der Willkür der syrischen Regierung und dem Terror entkommen zu sein. Die Menschen hier haben mich freundlich aufgenommen. Trotzdem ist das Leben in Deutschland hart. Ich bin in Sicherheit. Aber ich denke sooft daran: wie mag es wohl meiner Familie ergehen?

IconTheresa

Ich habe mich um einen Kindergartenplatz für einen kleinen afghanischen Jungen gekümmert. Da lediglich die Meinersdorfer Kita freie Kapazitäten hatte, musste ich der Mutti einige Dinge im Vorfeld zeigen. Z.B. begleitete ich sie mehrmals mit dem Bus, übergab ihr einen Wegplan, erklärte ihr mit Hilfe eines Übersetzers die Bedeutung der Tarifzonen und half ihr bei der Aussprache der gewünschten Haltestelle. Die Erzieherinnen waren vom ersten Tag an sehr bemüht, den 2-Jährigen in die Gruppe zu integrieren. Der kleine Afghane ist durch die Flucht schwer traumatisiert und reagiert mit Atemnot, wenn er in emotional stressige Situationen kommt. Darauf haben die Erzieherinnen große Rücksicht genommen. Sie erlaubten der Mutti, solange dies nötig sei, mit in der Gruppe bei ihrem Sohn zu bleiben. Leider ist die Busverbindung nicht ausreichend, dass die Mutti während der Betreuungszeit hin und her fahren könnte. Außerdem würde sich der Kleine durch die täglich zu bewältigende Wegstrecke erkälten, so die Eltern. Die afghanische Familie hat sich nun entschieden, ihren Sohn nicht mehr in den Kindergarten zu geben. Wenn die ganze Arbeit und alles Bemühen am Ende doch umsonst gewesen ist, ist das frustrierend.